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  Reisebericht Marokko 2014

 

Donnerstag, 25.12.2014 - Gorges du Ziz

Früh am Morgen verabschieden wir uns von Susanne und Bruno. Wir wollen nun in nördliche Richtung, durch das Ziz-Tal nach Fès. Irgendwo dazwischen planen wir eine Übernachtung ein.
Bei einer Tankstelle füllen wir unseren fast leeren Tank. Ein junger Mann mit Nikolaus-Kappe kommt auf uns zu. "Wow, was für ein Fahrzeug!". Er komme aus Irland, mache eine wöchige Tour durch das Land, mit Guide, und gehe dann noch eine Woche surfen. "Wow, von der Schweiz hierher. Einen LandRover mit so einem Aufsatz, das habe ich noch nie gesehen! Wunderbar", kommentiert er ganz begeistert. Er will mit mir und dem Fahrzeug ein Foto machen. "Klar, kein Problem". Ich gebe ihm noch die Email-Adresse. "Ein Abzug wäre toll! Tschüss!".
Wir fahren durch Ar-Rachidia, welche eine eine typische Militärstadt ist. Viele Soldaten und blitzsaubere Strassen. Einige Schulkinder kommen uns entgegen. Wir sehen gleichzeitig etwa fünfzig winkende Hände und winken ebenso fröhlich zurück. Ein Mädchen treibt es auf die Spitze und tanzt in bester J.Lo-Manier ein kurzes, schwungvolles Tänzchen. Obwohl es ihr danach kurz peinlich ist, einen Applaus von uns und Daumen nach oben hat sie sich für diese Einlage verdient.
Wir erreichen das Kasbah Hotel Jurassique, welches nebenbei auch Platz für Wohnmobile hat. Das Hotel liegt sehr schön im Tal, und ein Weg führt hinunter zum Fluss.
Der Hain, welcher unseren Stellplatz umgibt, besteht aus Pfefferbäumen. Wir pflücken ein paar Pfefferäste, reiben die Körner zwischen den Händen damit sich die Schale löst und gewinnen so eine Schachtel voll frischer Pfefferkörner. Nach dieser "schweren Arbeit" begeben wir uns noch an den Fluss und schon verabschiedet sich die Sonne hinter den hoch aufragenden Felsen.
Das Abendessen im Kasbah Hotel Jusassique, Couscous, Rindfleisch und Gemüse ist vorzüglich. Die Besitzer heizen während unserem Essen kräftig den Kamin ein, so dass es einigermassen warm wird im Restaurant.

An einem schönen Bergsee
Piste
Camping Pfeffer Hübscher Besucher
Umgebung Am Fluss Lehm
 

Freitag, 26.12.2014 - Fès

Gleich zu Beginn unserer heutigen Route fahren wir durch den Legionärstunnel, welcher die französische Fremdenlegion in den 1930er Jahren gebohrt hat. Wir fahren recht zügig durch die Gorges du Ziz und blicken kurz vor Zaida auf ein paar seltsame Steinhaufen, die vermutlich naturgewollt daliegen.
Die Strasse windet sich nun immer in höhere Lagen und überquert eine Passhöhe von 2`160 MüM. Beidseits der Strasse liegt vereinzelt Schnee und das folgende Hochplateau hat einen kleinen See.
Auffällig sind die vielen Strassenköter, vermutlich Nachfahren von Hirtenhunden, welche der Strasse entlanglungern.
Öfters sind nun ganz einfache Bauernsiedlungen auszumachen. Bei Vielen besteht das Dach, wenn sie denn eines haben, aus Plastikplanen, da die Bewohner ansonsten Angst davor haben, dass das Dach ihnen auf den Kopf fällt.
Nun bilden sich amüsante Anblicke. Vereinzelt tauchen kleine, schneebedeckte Hänge auf, wo geschäftstüchtige Marokkaner ihre farbigen, selbstgemachten Schlitten vermieten.
Die wohl eher gutbetuchte Bevölkerung fährt dann auch von weit her zu diesen Vermietungen, und fährt mit Kind und Kegel die kaum länger als 10m langen Pisten hinunter.
Die Gegend sieht nun aus wie im Schwarzwald. Zahlreiche Nadelbäume, dichter Wald und Schnee. Und dann taucht plötzlich Ifrane auf. Nach drei Wochen Marokka trauen wir unseren Augen kaum. Prachtvolle Chalets, abgesperrte Villenviertel. Wir fahren noch einmal zurück, fahren durch das Dörfchen mit schönen Blumenanlagen, Brunnen, Fussgängerzone, Dorfplatz etc. Hier ist Europa, und hier hat sich der ehemalige König Hassan II, wie auch viele reiche Franzosen prachtvolle Villen bauen lassen.
Sogar der Weinladen ist hier für alle zugänglich, und nicht wie sonst versteckt. Leider hat er gerade jetzt zu...
Die Strasse geht nun langsam abwärts und es folgen zahlreiche Apfelplantagen. Die Äpfel werden direkt vor den Plantagen, farblich schön abgestimmt in Holzkisten angeboten.
Mit der Einfahrt in die Stadt Fès folgt die "treffsichere Rechte", welcher wir seit Tagen sauber ausgewichen sind. Wir stehen mitten im Verkehrschaos, ein Mopedfahrer hält neben unserem Fahrzeug, "bitte die Scheibe herunterkurbeln". Gut, vielleicht löst sich eines unserer Räder, vielleicht ist unsere Leiter heruntergeklappt, also hören wir, was der gute Mann zu sagen hat. Er deutet irgendwas mit den Händen, ich höre "Medina, Fès", ich sage "Alles in Ordnung, tschüss!".
Wir fahren weiter durch den Stossverkehr, aber der Mopedfahrer hängt sich wie eine ekelhafte Fliege ganz nah an die Stossstange. Ich muss jetzt auf das Verkehrsgewusel und auf den Mopedfahrer acht geben, da dieser immer wieder seitlich auffährt. Endlich habe ich freie Bahn und kann auf 80 km/h (uiuiui, erlaub sind 60 km/h) beschleunigen, das Moped sehe ich jetzt nicht mehr im Rückspiegel.
Wir finden ein kleines Einkaufszentrum und halten nebenan in einer schmalen Gasse. Und schon fährt das Moped vorbei und hält 10 Meter vor uns. "Carole, geh du schon mal einkaufen, ich unterhalte mich in der Zwischenzeit mit dem nervigen Verfolger".
"Mein Bruder zeigt Ihnen die Altstadt von Fès. Die schönste in Marokko". "Wir brauchen keinen Guide!". "Doch, doch! Sie brauchen einen. Sie finden sich sonst nicht zurecht!" Und schon hält er mir sein Natel mit seinem deutschsprachigen Bruder ans Ohr. "Gut, geben Sie mir ihre Telefonnummer. Aber... wir brauchen KEINEN Guide!" "Doch, doch..." und so geht das noch Minuten lang hin und her. Selbst nachdem Carole vom Einkauf zurück kommt steht der Mopedfahrer noch da. "Tschüss!!!!". "Wohin wollen sie fahren?". "Zum Camping". "Ich zeige Ihnen den Weg, fahren Sie mir nach. Kostet nichts": "Wir haben Navi, wir finden zum Camping. Tschüssssssss!!!".
Und so erreichen wir schliesslich den Camping Diamant Vert. Wir geniessen draussen die Abendsonne, als wir beobachten, wie eine der streunenden Katzen mit einer grossen Kröte spielt. Nachdem wir die schön gezeichnete Kröte fotografiert haben, retten wir sie vor den Fängen der Katze und setzen setzen sie an einem sicheren Ort aus.
Im Campingrestaurant essen wir ein gutes Stück Fleisch, sie nennen es hier "Cordon Bleu", bei uns wäre es Rindfleisch mit Champignonsauce.

Strasse in die Berge
René filmt...
..die Steine
Häufigster LKW, der alte Ford Stopp! Netter Strassenkötter
Wie im Schwarzwald Im Schnee Einfache Behausung
Schafsherde Eselkarawane Keine "Davoserschlitten"
Idyllische Pause Camping Fette Kröte
 

Samstag, 27.12.2014 - Fès

Der Campingplatz ist etwas sonderbar am Rande einer Ferienanlage mit teuren Bungalows angebracht. Die Seite zu den Bungalows ist mit einem streng bewachten Eingangstor versehen, während auf der Campingseite, entlang einer befahrenen Strasse, praktisch jedermann Zugang hat. Was solls`s, wir haben gut geschlafen und ein paar Duschen hatten sogar warmes Wasser. An der Reception fragen wir nun, ob man uns ein Taxi bestellen könnte. Das geht aber nicht, wir müssen den teuren Touristenbus der Ferienanlage nehmen. "Wie bitte?". Aber auch nach mehrmaligem Nachfragen ist es der Reception einfach nicht möglich, ein Taxi zu bestellen. Also nehmen wir die "De Luxe Variante" und lassen uns beide mit dem für neun Personen ausgelegten Van zur Altstadt fahren.
Der Eingang in die Medina sieht eindrucksvoll aus. Alte Häuser, ein kleiner, belebter Platz und verschiedene Gassen, die sich hangabwärts winden. Die Altstadt von Fés liegt an einem Hang, so dass die Hauptgassen alle ein starkes Gefälle aufweisen.
Wir laufen nun durch eine solche Hauptgasse den Hang hinunter. Rechts- und links sind kleine Läden mit Lederwaren, Seidentüchern, Lampen, Handwerk und Vielem mehr. Im Gegensatz zu anderen Städten in Marokko macht Fés einen sehr westlichen Eindruck auf uns. Die Kleidung der Leute, die Geschäfte, die vielen Touristen und vielleicht auch die eher kalten Temperaturen können den Ausschlag dafür geben.
Die zahllosen Geschäfte und die überall ausgehängten Waren lassen kaum Blicke auf das alte Gemäuer der Stadt zu, was zweifellos schade ist. Auch lungern zahlreiche finstere Gestalten herum und so beobachten wir zum Beispiel, wie ein paar solcher Taugenichtse einem armen, alten Bettler versuchen die paar erhaltenen Groschen aus der Hand zu stehlen.
Auch dass wir halt immer wieder angesprochen werden "Deutsch, Englisch, Holland???, Wir gute Ware, bitte schauen, hier..." haben wir irgendwann mal satt. Trotzdem gibt es viele schöne Szenen, Handwerker mit ihren Schubkarren oder Esel und Maultiere, die durch die engen Gassen zirkeln. Etwas abseits dieser Hauptgassen geht es dann schon ruhiger zu und her. Hier kann man sich dann auch in aller Ruhe mal das finstere Gemäuer der Häuser und abenteuerliche Gerüste ansehen, welche die Stadt richtiggehend am herab rutschen in die Talsohle zu hindern scheinen.
Die Altstadt von Fès war lange Zeit von der Oberschicht bewohnt, welche sich irgendwann in Neubauten der Umgebung zurückzog und die zurückgelassenen Häuser den Armen überliess.
Diese bewohnen nun die zahlreichen Prachtbauten, welche nicht mehr renoviert werden, und langsam zerfallen.
Wir möchten noch die Gerberei sehen und folgen einfach dem Gestank in der Luft. Schon bald werden wir von jemandem angesprochen, der uns auf eine Terrasse führt, von wo man aus einen eindrucksvollen Blick auf die verschiedenen Färberbecken hat. Vorher erhalten wir aber noch ein paar Minzenblätter, die wir uns vor die Nase halten sollen. Der Gestank von Blut, Leder, Taubenmist und abgestandenem Wasser ist wirklich kaum zu beschreiben.
Die Arbeiter, welche in den Bottichen stehen und diese harte Arbeit machen, sind wirklich nicht zu beneiden.
Für`s Auge ist das Zusammenspiel der Farben, der alten Häuser und das Treiben der Arbeiter ein echter Genuss.
Natürlich wurden wir nicht ohne Hintergedanken auf diese schöne Terrasse geführt. Unser Begleiter weicht uns jetzt nicht mehr von der Seite und führt uns durch jeden Raum des Ledergeschäftes, welches im Besitz der Terrassen ist. Tatsächlich hat es hier ein paar schöne Lederwaren und wir kaufen eine Tasche und einen Gürtel zu erschwinglichem Preis.
Wir essen noch etwas, bei einem kleinen Strassenrestaurant, wo wir dann auch den Mopedfahrer von gestern sehen (Er sieht uns zum Glück nicht).
Mit Taxis lassen wir uns über den Carrefour retour zum Camping fahren, was ein Bruchteil der Fahrt in die Stadt kostet.

Eingang zur Medina
Eine der Hauptgassen
 
Esel und Maultier Schwer beladen Ruhepause
Babuschen Gerberviertel Bottiche
Das Leder wird eingefärbt Gerber... ..bei der Arbeit

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