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  Reisebericht Marokko 2014

Freitag, 19.12.2014 - Icht

Gestern hat uns Abdullah, ein Bewohner von Icht, die Besichtigung seines Heimatdorfes angeboten. Da es uns hier so gut gefällt, beschliessen wir einen Tag länger zu bleiben und das Angebot anzunehmen.
Am Vormittag laufen wir ein wenig in der Wüstengegend herum, wo Skorpione, Puffottern, Kobras oder Dornschwanzagamen vorkommen. Wir kehren ein paar Steine um, sehen aber nur einige Eidechsen, welche sich rasant aus dem Staub machen.
Am Nachmittag kommt Abdullah, und wir laufen in das etwa 300 Meter entfernte Icht. "Im Moment ist es zu kalt. Aber im Sommer sehe ich viele Schlangen", erzählt uns Abdullah auf unsere Nachfrage nach Reptilien. Das Dorf wirkt sehr verschlafen. Vereinzelt liegen Bewohner auf dem steinigen Boden herum oder unterhalten sich sitzend. Wir besuchen die teilweise noch bewohnte Altstadt-(Ruine). Viele Verbindungsgänge der Häuser sind unterirdisch und ohne Taschenlampe würden wir uns in diesem Gewirr verlaufen.
Abdullah zeigt uns das Haus seines Grossvaters. Über mehrere Treppen kommen wir Stockwerk für Stockwek ans Tageslicht und erreichen die Terrasse mit Blick auf die sandig, lehmige Altstadt oder das, was davon noch steht.
Wir kraxeln so allmählich wieder ans Tageslicht und besuchen noch die alte Moschee. Dann laufen wir durch die bewässerten, palmenumsäumten Privatgärten der Bewohner, wo Orangen und Granatäpfel reifen oder alte Esel ihr Dasein fristen.
Nun werden wir bei Abdullah eingeladen um gemeinsam einen Tee zu trinken. Die Decke des Hauses ist nach den Unwettern eingestürzt und wird im Moment wieder frisch betoniert (...ohne dabei von unten gestützt zu werden). Wir sitzen also auf dem Teppich, trinken Tee und hören das Knirschen der Decke. Wir fühlen uns angesichts dieser Umstände nicht sonderlich wohl und sind froh, das Gebäude heil zu verlassen.
Anschliessend besuchen wir eine Frauenkooperative, welche aus Plasikabfällen kleine Taschen, Schlüsselanhänger und Ähnliches herstellt. Eine gute Sache. Als wird die Frauen fragen, ob wir ein Foto machen dürfen (..der Raum ist feucht, dunkel und die arbeitenden Frauen sitzen dichtgedrängt auf einfachen Kissen am Boden) sind sie einverstanden, beginnen sich aber sofort ganz zu verschleiern... "Nein, ihr müsst nicht, das mit dem Foto lassen wir bleiben". Im kleinen Dorfladen kaufen wir sechs Eier für 6 DH.
Auf dem Rückweg kommen uns Kinder entgegen, "Bonjour", alle geben uns die Hände, ein kleines Mädchen küsst uns die Hände, auch die süsse Tochter von Abdullah kommt uns entgegen.
Abdullah erzählt uns, er habe zu wenig Arbeit, habe kein Geld. Seine Mutter habe eine kleine Rente, aber wenn sie stirbt, reicht das Geld nicht für die Ernährung der Familie. Wenn man wie wir über zwei Stunden durch solch ein "Wüstennest" läuft, wird einem sofort klar, dass hier heute, morgen und übermorgen keiner reich werden wird. Für alle Bewohner, und das sind über Tausend, hat es Strom, Mauern und ein Dach. Fliessendes Wasser oder Toiletten sind Fehlanzeige. Ein einziges Fahrzeug haben wir gesehen. Berufliche Perspektiven gibt es hier kaum.
Für uns war der Rundgang im Dorf eine gute Gelegenheit, das Leben in einer Wüstenoase hautnah zu erleben und uns Gedanken über Entbehrungen, Komfort, Luxus und das Leben allgemein zu machen.
Etwas erschöpft und im Licht von Millionen Sternen gehen wir schlafen.

Borj Biramane
Steppenlandschaft
 
Altstadtruinen in Icht Ruinen Tee bei Abdullah
 
Teekocher Hübscher Geselle (Oenanthe leucopyga)
 

Samstag, 20.12.2014 - Foum Zguid

Früh am Morgen starten wir Richtung Foum Zguid. Nur noch vereinzelt tauchen Siedlungsgebiete auf. Von weitem sehen wir wieder eine der zahlreichen Polizeikontrollen, welche immer gut ersichtlich mit einem Stoppschild und Geschwindigkeitsreduktionen gekennzeichnet sind. Der schlafende Polizist erschrickt, zieht sich seinen Hut über, springt aus dem Fahrzeug, streicht sich über seine Uniform und fragt uns, ob wir schon einmal im Land kontrolliert wurden. "Ja, wir haben Pässe, Fahrzeugpapiere, Zollpapiere und Führerschein bereits einmal gezeigt!". "Dann ist ja alles in bester Ordnung, Bonne Route!".
Jeglicher Verkehr ist nun komplett versiegt und wir rollen während über einer Stunde als "Könige der Landstrasse" über das schmale Asphaltband, bis etwas Grosses, Dunkles die Hälfte der Fahrbahn blockiert. Ein angefahrenes, totes Wildschwein liegt vor uns.
Zu beiden Seiten der Strasse ragen imposante Berg- und Felskanten in die Höhe. Alles in verschiedenen Farben und Formen. Wir sind richtig beeindruckt von dieser Landschaft. Nach etwa 300 km erreichen wir Form Zguid.
Der Ort ist ein richtiger Treffpunkt für Offroader. Unser Landy trifft hier zahlreiche 90er und 110er Kollegen. Unser schwer beladener "Packesel" könnte da viele Freundschaften eingehen.
Ein Freund hat uns den Tipp gegeben, im Chegaga eine "Omelette Berber" zu essen. Ibrahim serviert uns diese Köstlichkeit! Danke für diese Empfehlung! (www.landyschopf.ch).
Im Berberzelt des Campings, welcher mitten in einer Oase steht, nehmen wir später noch das Nachtessen ein.
Heute haben wir etwa 300 km wunderschöne Strecke gemacht und wir sind gespannt auf Morgen, denn wir wollen ein Stück alte Schotterpiste entlang der Marokkanisch/Algerischen Grenze fahren.

Landy, mal ganz klein
Oase
Unterwegs in der Steinwüste Steinwüste Steinwüste
Eindrückliche Landschaft Eingestürzte Brücke Graureiher
 
Camping Datteln  
 

Sonntag, 21.12.2014 - Agdz

Die alte Strasse von Foum Zguid zu den Dünen von Mhamid ist einerseits eine grosse Abkürzung, anderseits aber auch eine sehr ruppige, für Mensch und Material belastende Strecke, welche bedingt durch die grossen Unwetter vor etwas über einem Monat, vielleicht unmöglich zu fahren ist. Wir merken schon bald, dass wir die 130km mit unserem schwer beladenen LandRover mit höchstens 15 - 30 km/h befahren können. Schon bald sind Abschnitte der gut erkennbaren Piste durch tiefe, ausgewaschene Furchen durchzogen. Trotzdem finden wir immer wieder einen Weg die tiefen Gräben zu umgehen. Ein paar Berberzelte zeugen von letzten Zivilisationsspuren und schon bald sind wir mitten in einer steinigen Wüste.
Unser treuer Landy hat im Geländegang richtig viel Griff, kommt auch mit schroffen Vertiefungen und steilen Kuppen gut zu recht. Nach etwa 1 1/2 Stunden haben wir die ersten 20 km geschafft und sind fest überzeugt, die Strecke zu meistern. Da stehen wir vor einem tiefen, unüberwindbaren und ausgetrockneten Graben, welcher durch die Unwetter entstanden ist. Wir suchen die Umgebung nach einem möglichen Durchgang ab, nichts zu machen. Wir könnten jetzt stundenlang Steine und Sand anhäufen, dann würde es vielleicht gehen, aber was kommt danach? Also beschliessen wir schweren Herzens, hier umzudrehen. Am Boden finden wir noch die frische, abgestreifte Haut einer Puffotter. Sie ist unter einem Stein eingeklemmt. Vorsichtig hebe ich den grossen Stein an. Fehlanzeige.
Auf dem Rückweg läuft plötzlich ein merkwürdiger, grosser Hühnervogel vor uns. Immer wieder schaut er zurück und läuft emsig vor unserem Landy her, sieht aus wie in einem Zeichentrickfilm. Wir beide müssen schmunzeln, halten an und fotografieren das merkwürdige Wesen.
Zur rechten sehen wir plötzlich fünf Dromedare. Behutsam pirschen wir uns an die Tiere heran bis wir denken, einen gewissen Sicherheitsabstand erreicht zu haben.
So hat sich der ganze Abstecher doch mehr als gelohnt. Nach über drei Stunden erreichen wir wieder Foum Zguid, Asphalt und einen Wegweiser der nach Ouarzazate weist. Die dortigen Fimstudios und die von aussen schöne Fassade der Kasbah lassen wir jedoch aus und biegen auf etwa der Hälfte der Strecke ab nach Agdz. Die Strasse führt über eine Hochebene (1060 müM) und bietet herrliche Ausblicke auf Oasen, alte Sandruinen und Gebirgsketten. Alles im Kontrast zum blauen Himmel. Mitte Nachmittag erreichen wir den Camping "Oasis Palmier" in Agdz. Ein Junge möchte "Bonbons oder Kugelschreiber". In Gedanken an nach uns kommende Reisende lassen wir diesen Unsinn. Im Restaurant des Campingplatzes melden wir uns für das Nachtessen an.

Pistenfahrt
Piste
Abwechslungsreiche Wüste Piste Sandpiste
Alleine in der Wüste Komischer Vogel (Kragentrappe) Dromedare
Wüstenlandschaft Zwischenhalt
Dromedar
 
Camping

 

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