Titelleiste
logoicon
Home
  Reiseberichte
  Reisebericht Marokko 2014

 

 

Mittwoch, 10.12.2014 - Marrakesch

Über Nacht sank das Thermometer auf 6°Celsius und nun geniessen wir seit langem wieder einmal eine warme Dusche. Ein Taxi bringt uns zur "roten Stadt". Unterwegs steht plötzlich mitten in einem hochfrequentierten Kreisel ein Fahrzeug vor uns. Alles hupt und hornt. Der Mann jedoch lässt sich nicht beirren, klappt in aller Seelenruhe die Sonnenblende hinunter, nimmt Schreibzeug und Papier, steigt aus und läuft um sein Fahrzeug, welches vermutlich angeschuppst wurde. Nerven muss man haben... Am Rande der Stadtmauer werden wir abgesetzt. Die Orientierung fällt zunächst etwas schwer. Wir halten uns an den Turm der "Koutoubia Moschee", der Alles überragt und kommen so zum "Jemaa el Fnaa", dem riesigen, UNESCO geschützten "Platz der Geköpften", wo Gaukler, Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler, Wahrsager, Musiker ihre Tische und Stühle aufgestellt haben. Früher war der Platz das grosse Ziel der Karawanen die ausgehungert und ohne Wasser aus der Wüste kamen. Heute knipsen sich zur Mehrzahl Touristen durch das Geschehen. Aber Vorsicht, jedes Foto soll etwas kosten, jeder zu lange Blick weckt bei den Standbetreibern Begehrlichkeiten. Wir steigen hinauf auf die Terrasse eines Restaurants, wo wir in aller Ruhe eine Tajine geniessen können und wir uns am quirrligen Treiben auf dem Platz kaum satt sehen können. Man kann allerlei Slappstickeinlagen beobachten, wie etwa die Touristin, welche die Hand eines Berberaffen berührt, dabei aufschreit wie ein kleines Ferkel, rückwärts in die Arme eines Schlangenbeschwörers fällt, der ihr sogleich eine ungiftige Natter um den Hals legen will, was diese wiederum mit einem Urschrei quittiert und taumelnd das Weite suchen lässt. Wir amüsieren uns an weiteren, ähnlichen Geschichten, steigen wieder die Treppe hinunter zum Platz und dringen ein in den Souk mit den Teppichhändlern und Teekannenverkäufern. Wir bieten und handeln und schon bald haben wir unseren Rucksack mit Gegenständen gefüllt, so dass wir uns nun ohne Kaufabsichten durch die Gassen der Medina treiben lassen. Gemütlich kommen wir voran. Immer wieder geben wir Bettlern eine Grosche ab, deren Schicksal einem schon beim kurzen Hinsehen das Herz brechen lässt. Natürlich verlaufen wir uns irgendwann. Ein Junge zeigt uns den Weg zurück zum Platz, wir sollen doch einfach seinem Kollegen nachlaufen, der laufe zufälligerweise in die richtige Richtung. Nun, in Marokko glauben wir nicht mehr an solche Zufälle. Wir sagen bestimmt, "wir brauchen keinen Führer, wollen alleine laufen und bezahlen nichts". Er sei kein Führer, es kostet kein Geld. Der Junge läuft nun ein paar Meter voraus, schaut immer wieder zurück, will uns auch noch Sehenswertes zeigen. "Wir wollen das nicht, wir bezahlen nichts". So geht das noch eine ganze Weile, bis der Junge seine Hand hinhält und Geld will. Natürlich bezahlen wir nicht, er ist erzürnt, sagt noch irgendwas von "ich melde das den andern" und verschwindet zwischen den Eseln, Bettlern und Verkäufern. Noch immer kennen wir nicht den richtigen Weg, kommen in völlig abgeschiedene Quartiere, in denen Marktstände für Einheimische stehen. Beissender Geruch von Abfall steigt in unsere Nasen, trotzdem fühlen wir uns sicher und wohl. Wir fragen nach dem Weg und erhalten kostenlose Hinweise, so dass wir uns schon bald wieder dem grossen Platz nähern. Dort kommen wir am Café Argana vorbei, hier forderte im April 2011 ein Al-Quaida Anschlag 17 Menschenleben. Auch das; Teil der Geschichte des Platzes. Das Café wird wieder aufgebaut, es scheint bald wieder in alter Pracht da zu stehen. Wir setzen uns in ein Restaurant am Rande des Platzes und jetzt beginnt ein tägliches Schauspiel, wie man es nur hier, am "Jamaa el Fnaa" sehen kann. Aus allen Richtungen strömen Menschen mit Karren, schleppen Eisenstangen, Tische, Stühle, Kabel und verwandeln den Platz in eine Freiluftküche. Als ich eine kurze Sequenz filmen möchte, werde ich schon barsch zurechtgewiesen, das zu unterlassen. Für heute haben wir genug Marrakesch gesehen, taumeln nun selber über den Platz, wo sich die Schlangenbeschwörer, Boxer und Gaukler an den Rand des Platzes verzogen haben. Wir müssen allenfalls noch aufpassen, nicht auf eine der lethargisch am Boden herumliegenden schwarzen Marokko Kobras oder Puffottern zu tretten.
Riesige Boxen mit wummernden Bässen verkünden uns noch das Filmfestival von Marrakesch, welches in diesen Tagen stattfindet. Wir steigen in ein Taxi und lassen uns von einem Fahrer, den die Formel 1 bislang übersehen haben muss, zum Camping katapultieren. Gute Nacht.

Auf dem Jamaa el Fnaa
Blick von oben
Carole geniesst eine Tajine
Kobras und Puffottern Eingang zum Souk In der Medina
Frische Waren Traditionelles Transportmittel Emsiges Treiben
Der Platz.... ..wird für.. ...den Abend vorbereitet
 

Donnerstag, 11.12.2014 - Marrakesch

Wir sitzen am Vormittag gemütlich in den Campingstühlen und lesen als sich ein älterer Marokkaner zu uns gesellt. Er erzählt, dass er keine Schulbildung, und sich selber Fremdspachen beigebracht hat, so spricht er z.B. passabel Deutsch. Nach kurzem Gespräch bringt er auch schon sein Anliegen vor. Er verkauft hangemachte Aufkleber für Wohnmobile. Kamele in drei Grössen und Palmen.
Uns gefallen die Aufkleber und schon bald haben wir eine "Bastelstunde am Landy".
Wir bleiben bis Mitte Nachmittag auf dem Camping und werden dann mit dem Taxi in die Stadt geführt. Heute möchten wir Marrakesch zu etwas späterer Stunde erleben. Das Taxi setzt uns beim "Jardin Majorelle" ab. Yves Sain-Laurent hat diesen Garten im Jahr 1980 gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Pierre Bergé erworben und renoviert. Bereits 1947 stellte der französische Künstler Jaques Majorelle seine, bei Reisen durch die Kontinente, gesammelten Pflanzen hier aus. Singende Vögel, plätscherndes Wasser und das rascheln der Blätter im Wind bilden eine Oase der Ruhe und Gelassenheit. Vorbei an meterhohen Palmen, Bambus und Kakteen gelangen wir zum ehemaligen Feriendomizil des Modeschöpfers, welches heute ein Museum ist.
Wieder draussen handeln wir mit einem Kutscher den Preis aus und lassen uns zur Medina bringen. Die Pferde ziehen die Kutsche mit stoischer Ruhe durch den dichten Verkehr. Der Kutscher erklärt uns noch das eine und andere, biegt dort und hier in engere Gassen ab. Eigentlich wollten wir den direkten Weg gehen und so kommt es wie es wohl einfach kommen muss. Die Kutsche hält, der Kutscher bittet uns mitzukommen und schon sitzen wir in einem Laden mit Kräutern, Gewürzen und Pulvern gegen alles und jedes. Nun, wir sind nachsichtig und schenken der Verkäuferin ein paar Minuten Zeit, um uns ihr Angebot vorzuführen. Dazu gibt es auch noch ein Glas Minzen-Tee. Ein Fischgewürz können wir gut gebrauchen, wir gehen zurück zur Kutsche und jetzt... BITTE direkt zum Ziel.
Der "Jemaa El Fnaa" ist mitten im täglichen Umbau für den Abend und wir setzen uns in die vielleicht höchstgelegene Terrasse am Platz, um das Geschehen von weit oben zu beobachten. Die Sonne senkt sich über den mit Satellitenschüsseln bewehrten Dächern und taucht die Stadt in rötliches Licht.
Gemütlich spazieren wir nun entlang des Platzes. Den Satz "wir haben schon gegessen" müssen wir dabei in allen Sprachen wiederholen. Wir kaufen noch ein paar köstliche Süssigkeiten und blicken auf die riesige Leinwand des Filmfestivals. Davor steht eine Bühne, und im Blitzlichtgewitter der Presse werden soeben Preise überreicht. Anschliessend wird der Film Gladiator gezeigt, der vor 14 Jahren in Marokko gedreht wurde.
Wir bestellen uns ein Taxi und verlassen, um viele Eindrücke reicher, die Stadt.

Gedenkstätte für den Modezaren
Im Jardin Majorelle
Grosse Kakteen
Tropische Pflanzen Das Ferienhaus Kakteen
Kutscher Moschee Stadtmauer
Verkäufer Wunderheilmittel Strassenszene
Einsamer Wächter Jamaa El Fnaa Händler
Vorbereitung für die Nacht Sonnenuntergang über Marrakesch Der Platz am Abend
 

Freitag, 12.12.2014 - Imlil

Wir haben eine Einladung vom Riad Jnane Imlil. Das kleine Bergdorf liegt ungefähr auf unserer Strecke an die südliche Atlantikküste. Da wir keine GPS Koordinaten haben, geben wir den Ort in unser Navi ein. Prima! Gefunden, es kann los gehen. Wir müssen zuerst in östliche Richtung. Die Stasse wird sich mit der Zeit nach Süden richten. Als das nach etwa 1 Stunde Fahrt noch immer nicht eintrifft, nehmen wir die Karte zur Hand. NEIN, diese Strasse wird uns nie in das gesuchte Bergdörfchen bringen. Also, alles wieder zurück nach Marrakesch, wo es nun so richtig spannend wird. Unser Navi leitet uns mitten in die Medina, die Gassen werden immer enger und die Passanten reden uns zu, dass nun auch noch tiefe Torbogen der alten Stadtmauer folgen, und wir dort unmöglich durchkommen mit unserem Gefährt. Umkehren ist hier unmöglich und rückwärtsfahren, ohne irgendeinen Esel oder sonst was zu überfahren, geht auch nicht. Also, Augen zu und durch. Mittlerweile fährt ein Mopedfahrer vorne weg, der die Verkäufer, Pferde, Esel, Hunde und Katzen beiseite schiebt und uns mit allerlei Gesten zwischen den Gemäuern und ersten, tiefen Torbogen vorbei winkt. Für die Einwohner von Marrakesch ist das ein Riesengaudi, wie sich unser Landy durch die Gassen schiebt. Uns als Fahrer stockt da mehrmals der Atem. Alles geht gut, auch der engste und tiefste Torbogen der Stadtmauer wird gemeistert und mit Hilfe unseres Mopedfahrers schaffen wir es hinaus aus dem Getümmel. Unser Lotse hat sich einen Schein verdient. Es kommt eine Polizeikontrolle, der Polizist salutiert uns zu und wir lassen Marrakesch endgültig hinter uns. Kurz darauf fährt ein Auto neben uns her, der Fahrer hupt und zeigt uns eine Schweizeridenditätskarte. Wir halten an und der Fahrer erzählt uns, dass er Schweiz-Marrokanischer Doppelbürger ist und erst seit kurzem wieder hier lebt. Er wollte uns einfach in seinem Land herzlich willkommen heissen. Weiter gehts. Wir vergewissern uns nun mehrmals, dass wir auf der richtigen Strasse sind und finden so nach Asni. Von hier führt ein schmales Teerband rund 17 km in das Bergdorf Imlil.
In Imlil winden wir uns wieder durch enge Gassen und kommen zu einem Schild, welches zum Riad weist. Ein Junge im Berberanzug kommt uns bereits entgegen. Wir können das Fahrzeug auf einer eingezäunten Grünfläche abstellen. Kurzerhand werden mit Stangen und Ästen die Strom- und Telefonkabel, welche die Zufahrt bei unserer Höhe verhindern, nach oben gedrückt, wir können einfahren und sind endlich angekommen.
Das Nötigste packen wir in unsere Rucksäcke und steigen über steinige Stufen zum Riad, wo uns der auf Anhieb sympathische Mustapha empfängt.
Imlil befindet sich auf 1`740 müM. Von unserer Terrasse aus haben wir einen fantastischen Blick auf den höchsten Berg Marokkos, den Djabal Toubkal (4`167 müM). Wir sind zu einem vorzüglichen Nachtessen eingeladen. Danach lullen wir uns in alle möglichen Decken ein und schlafen im kalten Zimmer auf den harten Matratzen schnell ein.

Landy nach der Bastelstunde
Poollandschaft auf dem Camping
 
Rein in die Medina Überladen? Beduinen
 
Auf dem Weg nach Imlil Der hohe Atlas  

Weiter zu Teil 6

Zurück zu Teil 4

Zurück zur Übersicht

1.-3. Tag - Bangkok 4.-6. Tag - Phitsanulok 7.-12. Tag - Chiang Mai 13.-19. Tag - Ao Nang