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  Reisebericht Italien / Sizilien (1)

 

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Freitag, 22.04.2016 - Abreise nach Genua

Gestern noch haben wir unseren Landi am Stromnetz angeschlossen. Nun steht er mit geladenen Batterien, vollem Kühlschrank und einem neulich erstandenen Kajak vor unserem Häuschen, bereit für ein neues Abenteuer.
Unseren Kater Sämi mussten wir vor Monaten einschläfern, als sich sein Gesundheitszustand massiv verschlechterte. Nun schwirren die beiden Brüderchen Marly und Lucky als neue Lichtblitze durch unser Leben. Die beiden schwarz/weissen "Büseli" wissen noch nicht so recht, wie sie auf unseren plötzlichen Sauberkeitsdrang vor unserer Abreise reagieren sollen. Trotzdem scheinen sie die nahende Veränderung zu spüren.
Am Abend um 23.00 Uhr wird unsere Fähre nach Palermo im Hafen von Sizilien auslaufen. Wir beeilen uns, so dass wir uns noch vor Mittag auf die Reise in die Italienische Hafenstadt Genua machen können.
Also drücken wir die beiden Buselis, starten den Motor und es kann los gehen!
"Hast Du die Wasserkanister gefüllt..." Caroles Frage lässt mich augenblicklich aufschrecken und aussteigen.
Zehn Minuten Später verlassen wir unser Wohnquartier, biegen auf die Autobahn ein und fahren begleitet vom blühenden Rapsfeldern und frühlingshaften Düften in Richtung Grosser St. Bernhard.
Bei prächtigem Sonnenschein führt uns die Autobahn hoch über den Genfersee in das Wallis, wo wir zur berühmten (und nicht gerade kostengünstigen) Tunnelröhre abbiegen und die kräftige Steigung in Angriff nehmen. Dabei schrauben wir uns Meter um Meter in die Höhe. Die Nadel der Motorentemperaturanzeige hängt da in nichts nach. Sie nähert sich rasch der roten Markierung und überschreitet diese, noch bevor wir den Tunneleingang erreichen. "Sollten wir nicht kurz anhalten" meint Carole. "Da, noch sechs Kilometer. Das schaffen wir noch..." sage ich in einem optimistischen, vielleicht auch etwas nervigen "das klappt schon"-Ton. Und tatsächlich erreichen wir ohne rauchende Kühlerhaube den Eingang zum Tunnel, um den hoch angesetzten Obulus zu entrichten, welcher für die Schnellstverbindung nach Italien einkassiert wird.
Auf italienischer Seite empfangen uns vereinzele Schneefelder, welche unter der Sonneneinwirkung glitzern. Die steilen Kehren hinunter in die Talsohle bringen wir mühelos hinter uns, so dass wir schon bald die Autobahn erreichen und ich das Gaspedal wieder so kräftig wie möglich durchtreten kann. Bei der ersten Tankstelle machen wir Halt, um einerseits unsere knurrenden Mägen zu entlasten und anderseits, den Dieseltank unseres Landis zu füllen. Ein Polizeiwagen hält neben der Verglasung des Autobahnrestaurant und lässt das Blaulicht an. Eine Polizistin steigt aus und klopft an die Restaurantscheibe. Polizei im Notfalleinsatz? Frage ich mich. Ach nein, die Polizistin will nur ihre Schwester begrüssen, welche hinter der Theke steht.
Nun fahren wir durch die Po-Ebene wo Hausruinen in saftig grünen Reisfeldern stehen. Hier könnte man das Lenkrad mit einem Besenstiel arretieren und sich gemütlich zurücklehnen, so gerade verläuft der Autobahnabschnitt. Nach eintöniger Fahrt kündigt ein Schild den Wechsel vom Piemont nach Ligurien an. Und augenblicklich wird die ebene Landschaft durch hügelige Landschaft ausgetauscht und die Autobahn führt über Viadukte und durch malerische Täler.
In Genua stoppt ein Kilometer langer Stau unsere bis anhin flüssige Fahrt. Im Schritttempo nähern wir uns der Ausfahrt zur Hafenanlage wo wir über verwinkelte Strassen vor einer trichterförmig zulaufenden Unterführung landen. Hier verstopfen Last- und Personen wagen die Weiterfahrt. Mit rigorosem Einsatz der Hupe (Personenwagen) und der schieren Masse (LKW`s) versucht sich jeder Fahrer durch das Nadelöhr zu kämpfen. Auch wir kommen schrittweise vorwärts. Im Rückspiegel muss ich beängstigt mit ansehen, wie ein riesiger Brummi Zentimeter um Zentimeter an uns heranfährt, so dass ich irgendwann gezwungen bin, auf die rechte Seite auszuweichen. Irgendwie werden wir durch die Unterführung hindurchgedrückt und landen nach diversen Kehren vor dem Check-In des Fährhafens. Wir werden dem Warteplatz Nummer Fünf zugeteilt. Also folgen wir der Beschilderung, biegen auf besagten Platz ein und platzieren uns in einer der vielen Reihen, welche sich vor uns gebildet haben. Ich will gerade aussteigen, als Carole von einem Hafenmitarbeiter angesprochen wird. Wir stehen in der falschen Reihe. "Danke für die information!" Meint Carole etwas lakonisch. Also wieder zurücksetzen und in der "richtigen" Reihe eingliedern. Hier beginnt das grosse Warten. Ich steige aus um mir etwas die Beine zu vertreten. Ein Bayer gesellt sich neben mich. "Auf dem Weg nach Afrika?". Nein, keine Angst, meine ich. "Ihr steht am richtigen Ort, wir wollen nach Palermo!".
Wir warten bereits zwei Stunden, als um 21.00 Uhr Bewegung aufkommt. Aufreizend langsam wird Kolonne um Kolonne in den riesigen Schiffsrumpf der "La Suprema" gelassen. Irgendwann sind auch wir an der Reihe und fahren im Schritttempo auf die Fähre.
Auf dem Schiff angekommen fahren wir über eine steile Rampe nach unten auf Deck B, wo wir wenden müssen und rückwärts an der Bordwand auf den uns zugewiesen Platz manövrieren.
Über mehrere Treppen laufen wir nun nach oben, wo wir an der Rezeption angesprochen werden. Obwohl wir auf dem Ticket eine nummerierte Kabine zugewiesen haben, folgt nun das typisch italienische "wir machen das heute zum ersten Mal" Prozedere. Die Nummer wird durchgestrichen, die neue Nummer aufgeschrieben, wir gehen zur neu zugewiesenen Kabine, und schon steht der Bayer von vorhin dort, mit der selben Nummer! Also wieder zurück, wieder mit Hand und Fuss auf Italienisch, wieder eine neue Nummer... Und jetzt klappst. Carole und ich betreten eine sauber aufgeräumte, angenehm grosse Koje. Geschafft.
Mein Fährautomatismus lässt mich augenblicklich nach den Schwimmwesten Ausschau halten. Fehlanzeige! Zur Not müssen wir ohne Schwimmhilfe zum Festland rudern...
Unser extra mitgebrachtes Cabarnet Sauvignon Fläschchen mit Schraubverschluss kommt jetzt zum Einsatz. Prost!
Wir räumen noch kurz die Schränke voll und begeben uns danach zügig an Deck, wo wir am Heck des Schiffes eine grosszügige Aussenplattform finden. Letzte Lastwagen stehen zum Einschiffen bereit. Nun laufen wir entlang der Bordwand nach vorne, wo wir zu einer abgesperrten Poollandschaft gelangen. Eine letzte Treppe führt in das neunte Geschoss. Hier haben wir einen tollen Ausblick über das Schiff zum Heck. Wir betreten das Café Copacabana wo letzte Nachteulen vor stärkendem Café sitzen.
Kaum treten wir ins Freie, setzt sich der Koloss in Bewegung. Genua verabschiedet sich mit einem Lichtermeer aus Verkehrsteilnehmern, Hafenkränen und Gebäuden von uns. Ein kleines Pilotbötchen eskortiert uns bis zum Hafenende, wendet und schippert über Bugwellen zurück zum Hafen.
Zurück in der Kabine legen wir uns auf die Matten. Gute Nacht!


"La Suprema" - Die Fähre nach Sizilien
Anstehen in der richtigen Kolonne
Der Hafen von Genua
An Bord
 
 

Samstag, 23.04.2016 - Ankunft in Palermo

Am Morgen wecken mich die Sonnenstrahlen, welche durch das beschlagene Kabinenfenstr die Kabine erhellen. Alles Blau - der Himmel, das Meer. Carole versucht mich anzusprechen, aber da kommt nichts. Irgendwo zwischen Genua und Palermo hat Sie die Stimme liegengelassen. Das muss eine Kehlkopfentzündung sein - denken wir uns. Unsere grosszügige Dusche, mit marmoriertem Waschtisch, schenkt mir eine angenehme Morgendusche. Als ich aus der Dusche komme, löst sich auch das Rätsel mit den fehlenden Schwimmwesten. Carole hat ganz aufmerksam den Hinweis an der Kabinentüre gelesen. Im Notfall versammeln sich die Passagiere an einem gewissen Punkt und erhalten dort die Schwimmwesten. Macht Sinn. Oder möchten Sie sich zwischen aufgeblasenen Michelin Männchen an Deck kämpfen? Zum Frühstück gehen wir ins Café Copacabana. Der Kolbencafé, ein sogenannter Kaffee Americano, schmeckt vorzüglich und die Croissons versüssen unser Frühstück.
Beides nehmen wir draussen an Deck und bei starkem Wind ein, so dass uns die Croisson-Krümmel nur so um die Ohren fliegen. Anschliessend gehen wir zum Deck sechs, welches mit Spielsaloon und Souvenir-Shop protzt. Hier findet Carole ein paar silberne Ohrstecker. Mit Ihrer lustigen Mickey Mouse Stimme bittet sie den Verkäufer, den Klunker aus der Vitrine zu nehmen. Passt, gekauft. In einer riesigen, mit Spiegeln und glänzenden Geländer-Relings versehenen Halle, verbindet ein gläserner, pillenförmiger Lift die oberen Geschosse. Ich möchte Caroles Benutzung des Liftes in einer kurzen Filmsequenz festhalten. Also düst sie ein paarmal rauf und runter. Da das Schiff nur etwa zu einem Fünftel besetzt sein dürfte, kommt uns dabei auch niemand in die Quere. Die "Suprema" zeigt sich Innen glänzend herausgeputzt. Wir laufen durch die verschiedenen Etagen, Räume und Gänge. Überall glitzert und glänzt es. Ein langer Gang (War ich jemals in einem so langen Gang?) verbindet die Kabinen von Heck bis Bug. Er dürfte annähernd 200 Meter lang sein. Gegen Mittag setzen wir uns in das "Restaurant a la Carte", welches für eine Stunde offen hat. Nur sechs Tische des riesigen Restaurants sind besetzt. Eine Familie mit drei "Bambinis" weckt die Aufmerksamkeit der italienischen Crew. Es wird Händchen gehalten, gespielt, gejohlt und gelacht. Wir bestellen uns Schnitzel und Pommes. Das Essen kommt rasch und schmeckt gut. Anschliessend fragt die Bedienung, ob wir in Bar oder mit Karte bezahlen möchten. Wir sagen aus dem Bauch heraus "in Bar". Ein Fehler. Jetzt wird es anscheinend so richtig kompliziert und wir warten noch über zwanzig Minuten, bis wir eine Rechnung erhalten. Den Kaffee wollen wir draussen geniessen, also gehen wir ins "Café Copacabana". Beim Hinauslaufen schüttet sich Carole einen Teil des Inhaltes ihres Bechers über die Hand und verbrüht sich diese. "Aua!" Höre ich noch. Am Boden hat sich eine kleine, braune Pfütze gebildet. Carole geht noch einmal zur Theke und besorgt sich Servietten. Das Thema "Schiffsreinigung" können wir also auch abhacken. Für den Rest der Anreise gehen wir in unsere Kabine, wo wir uns liegend und lesend in Richtung Sizilien bewegen. Bald schon kommt über die Lautsprecher die Durchsage, dass die Kabinen bis 17.30 Uhr geräumt sein müssen. Also packen wir alles zusammen und auf den Punkt um 17.30 Uhr klopft es an der Kabinentüre. Zeit, die Kabine zu verlassen. Wir begeben uns noch einmal an Deck und sehen dabei die Küste von Sizilien. Nun dauert es noch einmal 2 1/2 Stunden bis zur Ankunft. Wir setzen uns zu den Bayern, welche wir beim Warten auf die Fähre getroffen haben und führen ein paar nette Gespräche.
Ab 20.00 Uhr werden die Passagiere Deckweise aufgerufen, sich zu den Fahrzeugen zu begeben.
Irgendwann ist "unser" Deck B an der Reihe und wir begeben uns in einer Reihe mit den anderen Passagieren zu besagtem Deck. Im Zickzack um die parkierten Fahrzeuge herum erreichen wir unseren Landi, welcher zu hinterst, direkt an der Bordwand steht.
Wir setzen uns in das Fahrzeug und warten, bis sich durch den sich langsam auflösenden Verkehrsknotenpunkt eine Möglichkeit ergibt, hin- und her wippend die missliche Lage zu verlassen. Dabei missachte ich einen der Kabelkanäle, welche von der Decke hängen. Als Folge davon zieht nun eine lange Schramme die Kabinenkonstruktion. "Das hätte nun wirklich nicht sein müssen!" Eine steile Rampe führt uns nach oben und über die Zufahrtsrampe verlassen wir das Fährschiff. Blitzschnell sind wir aus dem Hafengelände raus und reihen uns ein in ein nicht überschaubares, abendliches Verkehrschaos. Als wären wir in einem reissenden Fluss gelandet, treiben wir nun über vier-, zwei-, dreispurigen, nervösen hupenden und fahrenden Strassenverkehr. Ich versuche dabei so gut wie möglich meine Position in der Mitte zu behaupten, da seitlich immer wieder parkierte Fahrzeuge die Spuren verbarrikadieren. Irgendwie schaffen wir es aus dem Gewusel von Palermo hinaus auf die Inselautobahn. Während der Fahrt telefoniert Carole mit der Rezeption des Camping La Playa. Die Besitzerin erklärt, dass der Camping lange offen bleibt, um die Fährankömmlinge aufzunehmen. Toll! In dunkler Nacht nähern wir uns dem Camping. Eine letzte Abzweigung und wir stehen auf einer Strasse, direkt am Meer. Hier verbarrikadiert eine Absperrung die Zufahrt zum Camping. Carole räumt die Barriere beiseite und ich kann ein Stück vorfahren. Natürlich stellen wir hinter uns wieder alles ordentlich hin und erreichen nach etwa zweihundert Metern die eigentliche Zufahrt zum Camping. Daniela, die Besitzerin meint es gut, und hält für jeden Neuankömmling einen viertelstündigen Informations-Monolog auf deutsch. Stösst man irgendwo in der Mitte zu diesem Monolog dazu, heisst es aufpassen, zuhören und weiter geht's... Da es auf dem Gelände sehr dunkel ist, erhalten wir einen Stellplatz in der Nähe des Eingangs zugewiesen. Unter den tief hängenden Pinienästen in der Dunkelheit auf einen Platz zu manövrieren wäre Karosserieschädigend. Also richten wir uns beim Eingang ein und wer steht neben uns? Natürlich die Bayern von der Fähre - Welch ein Zufall. Zum Abendessen gibt's Brot, Käse und Fleisch und kurze Zeit später eine ruhige Nacht.

Sonniges Deck
Spaziergang auf der "La Suprema"
Grossräumige Halle im Schiffsrumpf
Längster Gang
 

Sonntag, 24.04.2016 - San Vito lo Capo

Caroles Zustand hat sich über Nacht einfach nicht verbessert. Im Gegenteil. Ihr Schädel brummt und ihre Stimme quietscht. Eine hartnäckige Erkältung scheint sie bezwungen zu haben und beschränkt unsere Bewegungsfreiheit für heute auf ein Minimum. Die Besichtigung von Palermo schenken wir uns. Stattdessen möchten wir zum Kap fahren, um uns dort einen Camping zu suchen. Bevor wir weiterfahren, möchten wir noch eine ausgiebige Morgendusche geniessen. Ich schnappe mir also den eigens dafür vorgesehenen Duschstreifen und gehe entlang unmenger Überwachungskameras (muss eine gefährliche Gegend sein hier) zum Zahlautomaten. Hier steht: Duschkabine auswählen, Badetuch und Shampoo deponieren, zurück zum Auswahlkasten und Duschstreifen einführen, abknicken des Duschstreifens abwarten, Mit Knopfdruck Dusche auswählen, Auswahl bestätigen, unter die Dusche gehen (oder rennen weil das Warmwasser schon läuft), vier Minuten Warmwasser, ein roter Knopf stoppt das Warmwasser für 60 Sekunden... Noch Fragen? Also, die ersten Schritte sind gemacht, jetzt Duschstreifen einfügen - Natürlich passiert nicht. Ich versuchs in alle Richtungen - geht nicht!!! Also wieder zurück zu Carole: Du kannst kalt duschen gehen, das Ding funktioniert Nicht. Carole geht kalt duschen, und der nette Bayer von nebenan kommt zu mir rüber - "Hier, kannst unseren Duschstreifen benutzen". Vielen Dank! Ich strahle, als Carole zurück kommt. Für mich gibt's warmes Wasser.
Wir verabschieden uns von den Bayern, vermutlich werden wir uns wieder sehen... Daniela, die Besitzerin der Anlage, winkt uns zum Abschied, als wir die Barriere ihres mit mindestens zwanzig Kameras bewachten Sicherheitstraktes verlassen.
Wir fahren ein Stück und halten bei einer Bank um ein paar Euros zu lösen. Danach biegen wir zur Inselautobahn ein, welche uns zum etwa achtzig Kilometer entfernten Kap führen soll. Kaum auf der Autobahn müssen wir einem Ambulanzfahrzeug Platz machen, welches in hohem Tempo mit Sirenengeheul von hinten heranbraust und vor uns, bei einem stehenden Polizeifahrzeug anhält. Kurze Zeit später sehen wir auch schon die Ursache. Ein Motorradfahrer liegt regungslos in einer Blutlache, eine Motorradfahrerin sitzt kreidebleich auf dem Pannenstreifen. Kein schöner Anblick - und dass der Verkehr mit über achtzig Sachen neben der etwa einen Meter entfernt am Boden liegenden Person vorbeibraust ist gemeingefährlich. Danach hat es kaum Verkehr und wir kommen flüssig voran. Unser Ziel ist San Vito lo Capo, ein kleiner Zipfel im nördlichen Westen der Insel. Bald verlassen wir die Autobahn und begeben uns auf die Landstrasse. Nun fängt das Verkehrsschilderchaos an. Erst ist 50-ig, dann 40-ig, dann 70-ig, dann 60-ig, dann wieder 40-ig. Die Verkehrsschilder wechseln sich in atemberaubendem Tempo ab. Ich komme mir vor wie in einem Computerspiel und das Gaspedal verkommt zum Glücks-Buzzer. Die Bussen für Geschwindigkeitsübertretungen sollen astronomisch sein, also halte ich mich so gut wie möglich an den Schilder-Salat. Unterwegs machen wir Halt und geniessen den Ausblick auf das türkisblaue Meer und den Hafen von Castellammare del Golfo. Irgendwann erreichen wir den gesuchten Ort, wo sich ein paar Camping-Plätze eingenistet haben. Dummerweise findet gerade jetzt ein Radrennen statt. Die Strasse wird nicht zur Gänze abgesperrt, was die Sache für uns nicht unbedingt einfacher macht. Also reihen wir uns mit unserem sperrigen Fahrzeug zwischen den rasenden Pantheons ein. Die Umrandung der Strasse ist bevölkert von Zuschauern, Filmteams, Polizisten und Helfern in leuchtenden Warnwesten.
Da unser Landi die Beschleunigung einer Gartenschnecke hat, ist es nicht eben einfach, die Rennfahrer einzel zu überholen. Die Strasse neigt sich nun hinunter zum Meer, wo uns eine scharfe Linkskurve zum gesuchten Camping lenken wird. Unsere Fahrzeug nimmt nach der Kehre nur langsam wieder Fahrt auf, so dass wir wieder von den ganz schnellen Radrennfahrer überholt werden. Vor uns hat sich mittlerweile ein anderes Fahrzeug gesetzt. Ein Helfer mit Warnwesten winkt hastig zum anhalten. Der Fahrer vor uns ignoriert dieses Zeichen zuerst und drückt dann erst im letzten Moment auf die Bremse, was wiederum dem leuchtenden Helfer ein warnwesten-rotes Gesicht verpasst und diesen satte Flüche aussprechen lässt. Danach fahren wir weiter und wieder taucht ein Leuchtmann auf. Wir sind nun kurz vor dem gesuchten Camping und werden etwa hundert Meter vor der Einfahrt von der Zielstrasse weggewunken, mitten in das verschlafene San Vito hinein. Das Dörfchen ist mit schachbrettartigen Strassen im Einbahnverkehr ausgestattet. Es folgen enge und engste Radien. Eine Kurve befördert unseren Alkoven beinahe auf den darüber liegenden Balkon. Nur mit Mühe schaffen wir es wieder aus dem Dorf und wir steuern einen anderen Camping an. Der Camping El-Bahira empfiehlt sich mit Meersicht und schattigen Stellplätzen. "Hier rechts müsste es runter gehen" sage ich zu Carole und wir landen vor dem verschlossenen Tor einer Quartierstrasse. Also wieder wenden, wieder hinauf auf die Hauptstrasse und die nächste Strasse rechts einbiegen. Kurze Zeit später stehen wir vor dem Camping. Da am morgigen Montag ein italienischer Feiertag ist, finden wir ein gut gefülltes Gelände vor. Trotzdem finden wir einen tollen Stellplatz mit Meersicht. Rasch haben wir alles eingerichtet und laufen über das schmucke Gelände. Zwei sizilianische Mauereidechsen rascheln davon und verschwinden zwischen den Spalten von Gesteinsbrocken. Der Campingplatz verfügt über Poolanlage, Einkaufsladen, Restaurant und einen Trampelpfad, der direkt zum Meer hinunter führt. Im Weiteren gibt es einen Kletterbereich im hinteren Teil, wo eine mächtige, langgezogene Felswand in die Höhe ragt. Im Einkaufsladen wollen wir uns mit dem nötigsten eindecken. Der Tante Emma Laden macht auf mich den Eindruck, als wäre Emma gestorben. Die Hälfte der Regale steht leer. Kein ordentliches Fleischstück und auch keine Flasche Wein ist zu haben. Hier soll wohl das Campingeigene Restaurant nicht konkurrenziert werden. Anschliessend gehen wir wieder zurück zu unserem Landi, wo wir unsere Solarlampen zum Energietanken an die Sonne legen. Auch wir legen uns in die Sonne... Das Flattern von Tauben hoch über mir, in den Ästen der Pinie, weckt mich. Die angenehme Temperatur, der Duft der blühenden Pflanzen, das Meergeräusch. Alles hat mich in komplettes Wohlbefinden eingelullt. Auch Carole ist eingenickt und kommt nun langsam wieder zu sich. Kurze Zeit später werfen wir die Küche an und geniessen unser selbstgekochtes Abendessen. Danach geht's zum Abwaschen zu den Abwaschbecken unter offenem Himmel.
Die Sonne steht schon tief am Horizont, als wir uns auf den Weg zum Strand machen. Über den seitlich zum Camping angelegten Trampelpfad sind es etwa 300 Meter zur felsigen Küste. Hier hat es ein paar Badebuchten und nett eingerichtete Liegeplätze. Wir beobachten, wie die Sonne als feuerrote Kugel im aufgewühlten Mittelmeer unter geht. Nach diesem abendlichen Naturschauspiel gehen wir wieder nach oben zu unserem Stellplatz und freuen uns auf den morgigen Tag. Jetzt muss Carole wieder zu Kräften kommen und wir können am morgigen Tag die Umgebung zu Fuss erkunden. Der italienische Feiertag schenkt uns zum Abend laute Musik, so dass wir zur Live-Band und spanischen Rhythmen in den Schlaf sinken.

Castellammare del Golfo
Camping El-Bahira
Kletterfelsen
Sizilianische Mauereidechse
Fischerboot

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